Präzedenzfall vor Kölner Gericht weist in Deutschlands Pokerzukunft

04.11.2012 | Veröffentlicht von: Onlinecasinoseiten.com
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Pokern am Scheideweg. Bildmaterial: © dpa

Das uramerikanische Kartenspiel Poker gilt als die Ikone unter den Glücksspielen. Weil dem so ist und die Hobbyspieler vor unlauteren Abzockern geschützt werden müssen, werden die Spieler auf Off- und Online-Casinos verwiesen, die unter staatlicher Aufsicht stehen. Wer hier Gewinne einstreicht, muss in Deutschland bis dato keine Einnahmesteuern bezahlen. Gewinnen tun hier letztlich alle Beteiligten - Casinobetreiber, Spieler und Staat, denn jeder bekommt ein Stück vom Kuchen ab.

Dennoch scheint Deutschland, ach was, die ganze Welt mit der Definition Glücksspiel zu ringen. Im Zentrum der Schwierigkeiten steht immer wieder Poker. Ein Spiel, das immer schnell in den Fokus der Medien gerät, weil es die Vorurteile über das verrauchte Spelunkenmilieu einfach am schnellsten bedient. Allerdings hat sich in den letzten Jahren viel getan, das die Außenwirkung von Pokern in ein positiveres Licht taucht. Pokern ist mittlerweile schon fast cool geworden. Es dämmert nun jedem, was für eine Gedankenmaschine hinter einem Bluffgesicht rattert und dass Pokern beileibe keine Aneinanderreihung von Glücksfällen ist. Pius Heinz sei dank!

Diese Einsicht ist nun auch langsam zum Kölner Finanzamt vorgedrungen. Dieses hat von Eduard Scharf und fünf weiteren Pokerspieler Einkommenssteuerzahlungen, die sich aus angeblichen Preisgeldgewinnen von Pokerturnieren ergeben, gefordert. Nachdem sich diese aus ihrer Schockstarre befreit hatten, reichten die sechs Personen vor dem Finanzgericht Köln Klage gegen die Einkommenssteuerforderungen vom Staat ein.

Dieses hatte sich nun am Mittwoch dieser Woche unter dem Vorsitz von Richterin Wetzels-Böhm mit der Sache auseinanderzusetzen. Vor allem musste eine Frage erörtert werden: Wann wird aus einem Glücksspiel ein Geschicklichkeitsspiel? Die Argumentation der Urteilsbegründung lässt Schlimmes für Pokerfans erahnen, denn von nun an gilt, dass Pokern als ein Sport gewertet wird, sofern ein Pokerspieler "über Jahre hinweg erfolgreich an Turnieren" spielt und damit sein Können unter Beweis gestellt hat. Das, was sich zuerst als Lob anhören mag, heißt im Klartext: Pokern Sie schlecht, kommen Sie einkommenssteuerfrei davon; pokern Sie gut, klopft der Fiskus an Ihre Haustür.

Hört sich erst einmal wie ein Scherz an, ist aber ein eingetragenes Urteil (Az. 12 K 1136/11). Eines, das natürlich viele Fragen aufwirft, die noch geklärt werden müssen. Wo etwa die Trennungslinie zwischen erfolglosen und erfolgreichen Spieler gezogen werden soll oder ob geschickte Spieler auf Steuererleichterungen zählen können, wenn Sie denn mal in einem unerwarteten Formtief stecken...

Kritiker werfen dem Gericht vor, es hätte die oben erwähnte Frage auch ehrlicher beantworten können. Im Sinne von: Wann wird aus einem Glücksspiel ein Geschicklichkeitsspiel? Ganz klar, wenn der Staat die Steuereinnahmen aus den eingefahrenen Gewinnen der geschickten Spieler nötig hat.

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